Villa Kunterbunt – Selbstverwaltetes Zentrum

Kleiner Geschichtsabriss

Die Geschichte der Villa Kunterbunt

Wie so oft, wenn Jugendliche etwas in die Hand nehmen, begann alles ganz spontan. In den Jahren 1970/71 hatte ein Teil der Bünder Jugend keine Lust mehr, den Kneipen- und Discothekenbesitzern ihr weniges Geld in den Rachen zu werfen. So traf man sich an öffentlichen Plätzen zum Feiern, woraus der Wunsch nach eigenen Räumen entstand. So fingen Jugendliche an, mit dem Stadtjugendring über ein Jugendzentrum zu verhandeln. Als Ansprechpartner für die Stadt wurde im Dezember 1972 der Verein Jugendzentrum Bünde gegründet. Nach zähen Verhandlungen entstand das erste Jugendzentrum in Bünde an der Hauptstraße.

Doch schon im Dezember 1973 wurde es nach einem Rockerüberfall wieder geschlossen, und es dauerte über ein Jahr mit kontinuierlichen Verhandlungen zwischen Stadt und Verein, bis das JZ im Januar 1975 wieder eröffnet werden konnte. Sehr zum Unmut der Jugendlichen wurde diesmal jedoch ein Sozialarbeiter für das JZ eingestellt.

Trotzdem wurde das Jugendzentrum von den Jugendlichen angenommen und über lange Zeit intensiv genutzt, bis sich die Situation veränderte und im Januar 1978 kaum noch Jugendliche bereit waren im JZ mitzuarbeiten. Der Vorstand trat zurück, das Haus wurde geschlossen.

Ein neuer Initiativkreis für ein Jugendzentrum nahm wieder Verhandlungen mit der Stadt auf, und im Mai 1979 wurde ein Haus an der Ernst-Reuter-Straße als neues JZ bezogen. Das anfänglich hohe Engagement der Jugendlichen ging schnell zurück, da die Stadt zu viel Einfluss nahm. Die Stadt reagierte im Dezember mit der Einstellung der finanziellen Unterstützung. Das Haus ging wiederum verloren.

Die Jugendlichen wollten weiterhin einen Raum für sich haben - aber eben einen selbstverwalteten - und der Verein erlebte im folgenden Jahr einen enormen Mitgliederanstieg, und ein Haus an der Klinkstraße wurde als neues JZ bezogen. Dieses Haus trug erstmals den Namen Villa Kunterbunt. Der Raum war viel zu klein und die technische und sanitäre Ausstattung marode, weshalb schon bald wieder versucht wurde, ein anderes Gebäude zu finden.

In den folgenden Verhandlungen fühlten sich die Jugendlichen von der Stadt nicht ernst genommen, obwohl sie breite Zustimmung aus der Öffentlichkeit erfuhren. Das führte im Januar 1981 zu einer Hausbesetzung in derPhillipstraße. Das Haus sollte vor dem Abriss bewahrt und als soziokulturelles Zentrum durchgesetzt werden. Trotz breiter öffentlicher Diskussion wurde das

Haus im Mai 1981 geräumt, der Verein setzte seine Arbeit bis Ende der 80er Jahre in der Klinkstrasse fort. Doch nach einem Brand und dem anschließenden Verkauf des Hauses durch die Stadt musste erneut ein anderes Haus gefunden werden, das schließlich an der Winkelstraße bezogen wurde.

Nach zunächst sinkender Beteiligung der NutzerInnen führten die Proteste gegen den 1. Irakkrieg 1991 dazu, dass wieder kontinuierlich politische Arbeit stattfand. In den folgenden Jahren war das Haus ein Zentrum antifaschistischer Organisierung und wurde zweimal zum Ziel faschistischer Brandanschläge. Ende der 90er führte die CDU einen Kommunalwahlkampf, mit dem einzigen Ziel, den "Schandfleck" aus dem Stadtbild entfernen zu wollen. Nach dem CDU-Sieg passierte das, was die Anschläge der Nazis nicht geschafft hatten: das Haus wurde im Jahr 2000 abgerissen.

Mit viel Engagement erkämpften die NutzerInnen das Nutzungsrecht für ein baufälliges Haus an der Herforder Straße. Das Haus wurde renoviert, und die Villa gewann für die Bünder Jugend zunehmend an Attraktivität. Mitte 2002 war der Fortbestand erneut bedroht. Mit wechselnden, fadenscheinigen Begründungen wurde von der CDU der Abriss des Hauses durchgesetzt.

Zweieinhalb Jahre setzte der Verein seine Arbeit im Exil fort, in dem immer wieder kurzfristig Räume anderer Vereine genutzt werden konnten. Im April 2005 wurde in Baucontainer an der Franz-Werfel-Straße 52 zum neuen Standort der Villa. Zu dem einen Container gesellten sich zwei weitere. Die NutzerInnen schafften es mit verschiedenen Um- und Ausbaumaßnahmen, es sich in dem Provisorium gemütlich zu machen und das Engagement des Vereins weiterzuführen.

Die Zahl der NutzerInnen wächst seither langsam aber stetig. Die Container gehören zwar inzwischen uns, doch fehlt Platz für Band-Proberäume, Kino, Café, Sport oder ein Büro, in dem sich tatsächlich arbeiten lässt.

 

Unser Ziel bleibt ein Haus!

ein Haus für alle, ein Haus im Herzen der Stadt!